Das Foto vermittelt einen Eindruck vom Schwerbehindertentag, den das Jobcenter Berlin Spandau regelmäßig veranstaltet. Zu sehen ist ein Saal mit stuckverzierten Decken. Er befindet sich im Rathaus Spandau in Berlin. Auf einer Art Marktplatz können sich die schwerbehinderten Kunden des Jobcenters an kleinen Ständen über Angebote für Menschen mit Behinderung informieren. Um die kleinen Stände herum haben sich Menschentrauben gebildet, einige Besucher lesen in den Prospekten oder unterhalten sich.

Der Schwerbehindertentag des Jobcenters Spandau

Der Schwerbehindertentag des Jobcenters Spandau

DER SCHWERBEHINDERTENTAG DES JOBCENTERS SPANDAU

„Zeichen der Hoffnung setzen“

Nicht leistungsfähig, oft krank, schwer integrierbar: Die Vorbehalte gegenüber schwerbehinderten Arbeitsuchenden sind noch immer groß. Viele Arbeitgeber scheuen daher vor einer Einstellung zurück. Mit einem eigenen „Schwerbehindertentag“ geht das Jobcenter-Team Berlin Spandau nun neue Wege und informiert schwerbehinderte Kunden sowie mögliche Arbeitgeber über Vermittlungsangebote und Fördermöglichkeiten.

Winfried Leitke, Geschäftsführer des Spandauer Jobcenters, über eine Bewerbermesse der besonderen Art.

Herr Leitke, warum haben Sie einen Tag für Menschen mit einer schweren Behinderung ins Leben gerufen?

Viele unserer schwerbehinderten Kunden machen bei der Jobsuche immer wieder schlechte Erfahrungen. Sitzen sie zum Beispiel im Rollstuhl und die Behinderung ist damit äußerlich sichtbar, fragen sich viele Arbeitgeber: Wird er vielleicht öfter krank? Kann er seine Aufgaben überhaupt verrichten? Bei den nicht so offensichtlichen Behinderungen tauchen ähnliche Bedenken auf. Die Vermittlung von schwerbehinderten Kunden ist schwieriger als von nicht schwerbehinderten Kunden. Dem wollen wir mit unserem „Schwerbehindertentag“ entgegenwirken.

Was passiert denn am „Schwerbehindertentag“?

Auf einer Art Marktplatz wollen wir unsere Kunden, Arbeitgeber und externe Einrichtungen zusammenbringen. Erstmals im April 2011 konnten sich die etwa 300 Besucher an insgesamt 20 Ständen informieren und kennen lernen. Zwei Arbeitgeber haben sich präsentiert, Bildungseinrichtungen und Integrationsbetriebe wie beispielsweise Behindertenwerkstätten. Die Resonanz war sehr positiv. Wir haben erneut festgestellt: Es gibt ein riesiges Informationsbedürfnis. Die Flyer und Broschüren an den Ständen waren schnell vergriffen. Aber auch die Möglichkeit eines persönlichen Gesprächs mit den vertretenen Einrichtungen wurde gerne genutzt. Insgesamt war die Resonanz sehr positiv Am 24. Oktober 2012 findet der zweite „Schwerbehindertentag“ statt. Dieses Mal ist auch unser Arbeitgeber-Service mit dabei. Er wird vor Ort Jobs für schwerbehinderte Erwerbsfähige anbieten. Wir wollen Hoffnung machen: Auch mit einer schweren Behinderung kann man Arbeit finden.

Wieso tun sich viele Arbeitgeber überhaupt so schwer, Menschen mit Behinderungen einzustellen?

Neben den Vorbehalten kommen Informationslücken hinzu. Viele Arbeitgeber wissen nicht, welche Fördermöglichkeiten ihnen tatsächlich zur Verfügung stehen. Als Jobcenter können wir den Berufseinstieg finanziell fördern oder eine Weiterbildung ermöglichen. Wir haben mal eine Filmeditorin mit einer sehr starken Gehbehinderung vermittelt. Mit Unterstützung eines Reha-Zentrums und nach einer Fortbildung zur Videojournalistin arbeitet sie nun für einen großen deutschen Fernsehsender.

Welche Qualifikationen bringen Ihre schwerbehinderten Kunden schon mit?

Die Bandbreite ist relativ groß. Sie reicht vom Facharbeiter bis zum Akademiker. Es gibt wiederum auch schwerbehinderte Bewerber, die aufgrund von Lernbehinderungen keinen qualifizierten Abschluss vorweisen oder nur Hilfsarbeiten verrichten können. Es handelt sich aber um wirklich hochmotivierte und teilweise eben gut qualifizierte Arbeitnehmer.

Welche Erfahrungen machen Arbeitgeber mit schwerbehinderten Arbeitnehmern?

Wir beschäftigen seit einiger Zeit selbst eine blinde Arbeitsvermittlerin. Sie arbeitet in unserem sechsköpfigen Team für schwerbehinderte Kunden. Über ihre Braille-Tastatur kann sie lesen. An ihrer Seite sitzt aber immer auch eine Vorlesekraft – und ihr Blindenhund. Unsere Erfahrung ist sehr positiv. Die Kunden gehen sehr offen mit ihr um. Es funktioniert super! Die Einstellung schwerbehinderter Menschen kann für Unternehmen ein großer Gewinn sein – auch darauf wollen wir mit unserem „Schwerbehindertentag“ aufmerksam machen.

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