Endlich auf den Geschmack gekommen
Endlich auf den Geschmack gekommen
Kuchen, Pizza, Wein oder Kaffee: Sindy Jahn hat schon viele Küchen von innen gesehen und hungrige Gäste versorgt. Doch früher oder später endete jeder Gelegenheitsjob wieder – und die Suche begann von Neuem. Seit Anfang September arbeitet die 33-Jährige nun fest in einem Berliner Steakhouse der Restaurantkette „Maredo“.
Den Traum, im Hotel- und Gastronomiegewerbe zu arbeiten, hatte Sindy Jahn bereits als Jugendliche. Mit 16 Jahren schloss sie erfolgreich ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau ab, für die nächsten drei Jahre arbeitete sie in einer großen Hotelkette in ihrer Heimatstadt Jena. Ihr Traum schien sich zu erfüllen. Doch dann führten persönliche Probleme dazu, dass sie den Job aufgab. Sie brauchte einen Tapetenwechsel und zog nach Berlin.
Ihr Traum zeigt seine Schattenseiten
In der Hauptstadt lernte Sindy Jahn die schwierigen Seiten ihres Traumberufs kennen. Durch die Wirtschaftskrise und das Rauchverbot in Restaurants und Kneipen blieben die Gäste aus, die Betriebe sparten Personal ein. „Ich hatte damals das Gefühl, die Gastronomie besteht zu einem großen Teil nur aus Mini- und Gelegenheitsjobs“, erzählt die junge Frau. Mit ebendiesen Kurzanstellungen schlug sie sich durch, aufgestockt wurde ihr geringes Einkommen durch Leistungen des Jobcenters. Ihrem Traumberuf als Kellnerin blieb sie jedoch treu – über zehn Jahre hinweg. „Es war frustrierend. Ich habe so viel Kraft in meine Ausbildung gesteckt und musste dann von Laden zu Laden gehen und förmlich um einen Job betteln“, erinnert sich Sindy Jahn.
Die richtige Einstellung bringt ihr Glück
Ein Termin mit ihrem Arbeitsvermittler eröffnet neue Perspektiven. Gemeinsam erstellen sie eine Liste mit Adressen potenzieller Arbeitgeber, bei denen sich Sindy Jahn bewerben will. Bei Malik Polte, Regionaldirektor bei „Maredo“, stoßen ihre Unterlagen auf Interesse. Sie treffen sich zu einem Gespräch, nach einer kurzen Kennenlernphase bekommt sie den Job als Servicekraft. „Frau Jahn war vom ersten Tag an sehr offen und herzlich und geht auch auf die manchmal sehr speziellen Wünsche unserer Gäste immer freundlich ein. Sie ist belastbar, sympathisch und engagiert“, sagt Malik Polte.
Von der Minijobberin zur Weinkennerin
Ihr Engagement wird belohnt. In Maredo-internen Seminaren werden Sindy Jahn und ihre Kollegen geschult, etwa darin, wie sie mit Reklamationen von Gästen umgehen sollen. „Wir lernen auch, welcher Wein zu welchem Gericht passt oder wo unser Steakfleisch herkommt“, sagt sie. Die Festanstellung hat ihr neuen Mut gegeben: „Ich gehe viel selbstbewusster durchs Leben und fühle mich endlich nicht mehr so mittellos. Wenn ich abends oder nachts nach Hause komme, weiß ich, was ich geleistet habe – und das spüre ich nicht nur in meinen Beinen.“
