Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters Regensburg während einer Weiterbildung
Der Kunde im Fokus
Ein Alkoholiker, der seine Sucht leugnet, ein Arbeitsloser, der die letzten zehn Jahre hinter Gittern verbracht hat: Was tun, wenn man bei der Beratung an seine Grenzen stößt? Um auch Personen in Problemlagen erfolgreich in Arbeit vermitteln zu können, bietet das Jobcenter Stadt Regensburg strategische Weiterbildungsmaßnahmen für seine Arbeitsvermittler/Fallmanager an. Geschäftsführerin Birgitt Ehrl erklärt, wie sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf besonders schwierige Fälle vorbereitet.
Frau Ehrl, Langzeitarbeitslose gelten als kaum vermittelbar. Wie können Sie dennoch helfen?
Wir führen seit 2010 Weiterbildungen durch, die die Beratungskompetenz unserer Vermittlungsfachkräfte erhöhen. In den letzten Jahren konnten wir sehr viele qualifizierte Kunden vermitteln. Nun richtet sich der Fokus auf Langzeitarbeitslose, die es aufgrund persönlicher Probleme und Schicksalsschläge oft schwer haben, eine Stelle zu finden. Die Beratungsleistung unserer Mitarbeiter wird daher immer wichtiger.
Welche Weiterbildungsmaßnahmen bieten Sie konkret an?
In unserem Haus gibt es drei zentrale Maßnahmen: Die Inhouse-Schulung „Supervision“, die kollegiale Fallberatung sowie eine Inhouse-Schulung „Kompetenzmarketing“.
Stichwort Supervision: Was lernen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da?
Eine Supervisions-Schulung ist eine Veranstaltung zur Konfliktberatung mit einem externen Experten, dem Supervisor: Die Mitarbeiter sollen mehr Sicherheit im Umgang mit ihren Kunden erlangen und lernen, mit Belastungen besser umzugehen. Hierzu gehören sowohl organisatorische als auch psychische Belastungen aus der alltäglichen Arbeitswelt. Die Konfliktsituationen werden anhand von Fallbeispielen aus dem Arbeitsalltag der Mitarbeiter behandelt. Wie geht man beispielsweise mit einer alleinerziehenden Mutter um, die mit der Kinderbetreuung überfordert ist und sich nicht mit ihrer beruflichen Situation beschäftigen will? Wie bringe ich die Kundin dazu, dass sie trotz ihrer schwierigen Lage aktiv versucht, aus dieser Situation herauszukommen? Der Supervisor bietet dem Fallmanager eine Strategie an, wie er diese Kundin vermitteln kann.
Und was geschieht bei der kollegialen Fallberatung?
Bei der kollegialen Fallberatung handelt es sich um ein moderiertes Beratungsgespräch mit dem Ziel, Lösungen für eine konkrete berufliche Schlüsselfrage zu entwickeln. Mehrere Kollegen berichten von Beratungssituationen wie der Folgenden: Ein junger Erwachsener wurde sanktioniert, weil er eine vorgeschlagene Stelle abgelehnt hat und ist nun zur Beratung im Jobcenter. Er entzieht sich jedoch dem Gespräch und hat offenbar kein Interesse an den vorgeschlagenen Stellen. Mit verschiedenen Methoden wie Brainstorming oder Rollenspielen wird in der Gruppe versucht aufzuzeigen, wie kooperativ mit dem Kunden zusammengearbeitet werden kann.
Bleibt noch das Thema „Kompetenzmarketing“: An wen richtet sich diese Schulung?
Das Kompetenzmarketing ist ein zeitintensiver Beratungsansatz für Mitarbeiter, die spezielle Kundengruppen wie Akademiker betreuen. Die Stärken des Kunden werden hierbei genau analysiert. Wir haben zum Beispiel einen Historiker betreut, der ein Musikgymnasium besucht hat und sehr musikalisch ist. Da der Arbeitsmarkt für Historiker und andere Geisteswissenschaftler momentan schwierig ist, schauen wir, in welche anderen Berufsfelder man seine Kompetenzen einbringen kann und sprechen verschiedene Arbeitgeber (beispielsweise Musikverlage im Medienbereich) direkt an. Ziel dieses Beratungsansatzes ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Der Kunde wird aktiv eingebunden, geht von sich aus auf den Arbeitsmarkt und bringt Initiativbewerbungen ein.
