Fest im Sattel des Gabelstaplers
Fest im Sattel des Gabelstaplers
Füttern, füttern, füttern. Wer seine berufliche Tätigkeit so umschreibt, könnte erst einmal für einen Tierpfleger gehalten werden. Aber Hermann Wanninger arbeitet keineswegs im Zoo. Er ist auch nicht in der Landwirtschaft tätig. Der 53-Jährige hat sein Auskommen in einem Handwerksbetrieb – und zwar fest und dauerhaft.
Der Begriff „Füttern“ bezeichnet im internen Jargon der Bau- und Möbeltischlerei Harde die Versorgung der über 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Baustoffen. Das mittelständische Unternehmen in Stadland-Rodenkirchen ist auf Bau und Montage von Türen und Fenstern spezialisiert. Die dafür notwendigen Blendrahmen und Beschläge sowie andere Materialien kommen nicht von allein auf die Werkbank. Sie müssen täglich aus dem Lager herangeschafft werden. Eine Aufgabe, der sich der leidenschaftliche Gabelstaplerfahrer Hermann Wanninger Tag für Tag von 7.30 bis 17.00 Uhr widmet – seit dem 18. August 2011.
Schlussstrich unter acht Jahre Arbeitslosigkeit
An diesem Tag im Hochsommer hat sich das Leben von Hermann Wanninger völlig geändert. Mit seiner Unterschrift unter den Arbeitsvertrag zieht er einen Schlussstrich unter acht Jahre Arbeitslosigkeit. 2003 war er zusammen mit rund 100 Kolleginnen und Kollegen bei einem großen Kabelproduzenten betriebsbedingt gekündigt worden. Er hielt die Augen offen, suchte überall nach Jobs, brachte hunderte Bewerbungen auf den Weg – erfolglos. Immer wenn die Rede auf sein Alter kam, zerstoben die Hoffnungen. „Wenn ich dann sagen musste, dass ich über 40 bin, wurde ich schnell wieder verabschiedet.“
„Ich bin sehr froh, diese Chance bekommen zu haben“
Das Frühjahr 2011 bringt die ersehnte Wende: Stefan Pieperjohanns, Inhaber der Tischlerei Harde, sucht neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gemeinsam mit dem Jobcenter Wesermarsch und einem Bildungsträger initiiert er eine zwölfwöchige Schulungsmaßnahme. 14 Langzeitarbeitslose aus der Beschäftigungsinitiative 50+ erhalten einen Crashkurs in Sachen Bau und Montage von Türen und Fenstern. Nach sechs Wochen Theorie sind noch sieben Kandidatinnen und Kandidaten übrig, die den Rest der Schulungszeit als Praktikantinnen und Praktikanten in Pieperjohanns’ Betrieb hineinschnuppern. Vier werden schließlich übernommen, Hermann Wanninger gehört dazu. „Ich bin sehr froh, diese Chance bekommen zu haben. Die Arbeit macht mir Spaß, und ich hoffe, bis zu meiner Rente hierbleiben zu können.“
„Einfach ein feiner Kerl“
Auch für Inhaber Stefan Pieperjohanns ist der neue Mitarbeiter ein Glücksfall: „Mit seinen handwerklichen Fähigkeiten, seiner schnellen Auffassung und seiner Zuverlässigkeit ist Hermann Wanninger genau der Kollege, den wir gesucht haben.“ Mindestens ebenso wichtig wie die fachliche Eignung seien aber seine menschlichen Qualitäten. Pieperjohanns: „Herr Wanninger wird von allen Kollegen geschätzt. Er ist einfach ein feiner Kerl.“
