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Pflege

Alles auf Start

Jeder Lebenslauf weist Brüche auf. Bei manchen Menschen ähneln diese Brüche aber eher Gräben, die das Vorher vom Nachher restlos trennen. Anna Meder kam 2001 aus Russland nach Deutschland. Neues Land, neue Sprache, neue Kultur – auch auf dem Arbeitsmarkt musste die damals 47-jährige Spätaussiedlerin ganz von vorn beginnen.

Anna Meder weiß, was es heißt zu arbeiten. 28 Jahre lang schuftete die diplomierte Hebamme in einem Wolgograder Krankenhaus als Anästhesieschwester – ihre kleinen Kinder wollten schließlich versorgt sein. Dann, im Jahr 2001, brach die alleinerziehende Mutter alle Brücken hinter sich ab und wanderte mit Sohn, Tochter und Mutter aus. Ihr Ziel war das Land, von dem die Familie der Wolgadeutschen schon seit Generationen schwärmt: Deutschland. „Wir wollten ein neues, besseres Leben anfangen“, erinnert sich Anna Meder.

Zehn Jahre lang ohne feste Stelle

Nach der Ankunft treten jedoch neue Probleme in den Vordergrund: Da ist zum einen die Sprache, deren Klang ihr zwar vertraut ist, die sie aber kaum spricht. Da sind ihre russischen Arbeitszeugnisse und Diplome, die in Deutschland nur wenig zählen. „Und dann erkrankte meine Mutter, ich musste sie pflegen“, erinnert sie sich. Kurzum: Anna Meder bleibt trotz intensiver Bemühungen zehn Jahre lang ohne feste Stelle. Sie hält sich mit Ein-Euro-Jobs über Wasser, sie gibt nicht auf.

Schnell gewinnt sie das Vertrauen der Heimbewohner

Das Jahr 2011 bringt neue Hoffnung. Inzwischen 57 Jahre alt, nimmt Anna Meder an einer Schulung des Jobcenters teil. Zu der Maßnahme gehört auch ein Praktikum als Betreuerin in einer Seniorenresidenz. Mit ihrer warmherzigen, ruhigen Art gewinnt sie schnell das Vertrauen der Bewohner. Gemeinsam wird gesungen, gebastelt oder spazieren gegangen. Nicht nur die alten Menschen schließen sie ins Herz, auch ihr Chef ist begeistert. Nur: Er hat keine Stelle frei.  

„Es gelingt ihr, jeden zu erreichen“

Anders sieht es bei Jana Poturnak aus. Die Pflegedienstleiterin in der Seniorenresidenz Felkebad in Bad Sobernheim sucht händeringend nach Unterstützung. Ihr Haus gehört zum gleichen Unternehmen wie die Residenz, in der Anna Meder ihr Praktikum absolviert hat. Ein Telefonanruf, ein Blick auf das Praktikumszeugnis, ein Vorstellungsgespräch – und die Stelle ist besetzt. „Ein glücklicher Zufall“, sagt Jana Poturnak und kommt auf die Spaziergänge zu sprechen, die ihre neue Mitarbeiterin jeden Tag mit einem 85-jährigen demenzkranken Heimbewohner unternimmt. „Bevor Frau Meder bei uns angefangen hat, wollte der Herr monatelang sein Bett nicht verlassen. Mit ihrer mitfühlenden und geduldigen Art gelingt es ihr, jeden zu erreichen.“

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