Alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern.
Wir sind richtig gut
Die Arbeit in einem Jobcenter gestaltet sich viel bunter und individueller als oft angenommen. Das Jobcenter Bochum stellt gleich zwei kreative Ansätze vor, mit denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort alleinerziehende Mütter unterstützen und erfolgreich in Arbeit vermitteln. Frau Fischer, Geschäftsführerin des Jobcenters Bochum, erläutert im Gespräch, was es mit den Modellen „Lotsinnen für Alleinerziehende“ und dem Vermittlungscoaching nach holländischem Vorbild auf sich hat.
Frau Fischer, was ist mit dem Begriff BCA gemeint?
BCA ist die Abkürzung für „Beauftragte(r) für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt“. BCAs gibt es seit 2011 in allen Jobcentern bundesweit. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Thema Frauenförderung beziehungsweise Gleichstellung im Arbeitsleben. Bei uns in Bochum stellen die alleinerziehenden Frauen etwa elf Prozent aller Kundinnen und Kunden dar. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie finden nur schwer den Weg zurück ins Arbeitsleben. Unsere BCA Stefanie Malcherek hat daher im vergangenen Jahr einen „Aktionsplan für Alleinerziehende“ gestartet, um die – überwiegend - Frauen bedarfsgerecht zu beraten und gezielt bei der Jobsuche zu unterstützen. Hierbei stehen ihr unsere Multiplikatorinnen zur Seite.
Was steckt hinter der Idee der Multiplikatorinnen und was können diese leisten?
Die Multiplikatorinnen sind unsere Experten für das Thema „Arbeitsmarktprobleme alleinerziehender Frauen“. Als Wegweiser, Koordinatoren und Ratgeber unterstützen sie einerseits die Integrationsfachkräfte und qualifizieren sie für einen optimalen Umgang mit der Zielgruppe der Alleinerziehenden. Auf der anderen Seite stehen sie auch den Alleinerziehenden im Rahmen von Informationsveranstaltungen, Workshops und Sprechstunden zur Verfügung. An jedem der sieben Standorte des Jobcenters Bochum arbeitet mindestens eine Multiplikatorin. Die bisherigen Ergebnisse sind sehr ermutigend und daher haben wir begonnen, die ersten Multiplikatorinnen durch das Bochumer Netzwerk MonoMig zu sogenannten Lotsinnen ausbilden zu lassen.
Worin besteht der Unterschied zwischen den Multiplikatorinnen und den Lotsinnen?
Wir verwenden beide Begriffe oft synonym. Was die Lotsin von der Multiplikatorin unterscheidet, ist das zusätzliche Expertenwissen, das sie sich während der dreitägigen Schulung angeeignet hat. Dieser Vorsprung ist aber nur ein zeitlicher. Wir werden alle Multiplikatorinnen zu Lotsinnen ausbilden lassen und auch im Anschluss immer wieder Schulungen zu Themen wie Verbesserung der Integrationschancen von Alleinerziehenden, Führung von Beratungsgesprächen oder die Gesetzeslage der Kinderbetreuung anbieten.
Was hat es mit dem holländischen Ansatz – dem weiteren Bochumer Modell – auf sich?
Das Projekt „Durchstarten“ ist aus einem gemeinsamen Arbeitskreis der Jobcenter Bochum und Herne entstanden und auch unter dem Namen „Herner Modell“ bekannt. Bei diesem neuen Angebot haben wir uns von einem holländischen Ansatz inspirieren lassen. Die Funktionsweise ist verblüffend einfach. Die Holländer sagen: Wenn jemand zu uns kommt, der keinen Job hat, dann ist es dessen Hauptaufgabe, einen Job zu finden: „Your job is to find a job.“ Aus dieser Idee haben wir ein neuartiges Coaching entworfen. Dieses Angebot ist auch sehr gut für unsere alleinerziehenden Kundinnen, da sie die Teilnahmezeiten flexibel wählen können. Die Kunden kommen für neun Stunden in der Woche über einen Zeitraum von acht Wochen in unser Bewerberzentrum, wo sie an modernen PC-Arbeitsplätzen selbstständig nach Jobangeboten suchen, ihre Bewerbungsunterlagen bearbeiten und diese auf den Weg bringen. Dabei werden sie von unseren Bewerbercoaches unterstützt. Die Chance, über diese intensive Maßnahme einen Job zu finden, ist sehr hoch.
