Die 15 Busfahrerinnen aus Bremerhaven
Frauen in Fahrt
Frauen in Fahrt
Mitfahren war gestern: In Bremerhaven nehmen die Frauen das Steuer selbst in die Hand. Seit Juni bildet das Jobcenter der Hafenstadt 15 Alleinerziehende und Berufsrückkehrerinnen in einer knapp einjährigen Schulung zu Busfahrerinnen aus. Ziel des vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projekts ist die Vermittlung der Teilnehmerinnen in Teilzeitjobs im Personennahverkehr.
Udo Bartau vom Jobcenter Bremerhaven über den erfolgreichen Start in eine Männerdomäne.
Herr Bartau, wie sind Sie auf die Idee gekommen, alleinerziehende Frauen als Busfahrerinnen einzusetzen?
Die Idee für das Projekt entstand schon Ende 2011. Bei der Hanse Bus GmbH wurden ausschließlich Arbeitskräfte in Teilzeit gesucht und wir haben hier in Bremerhaven etwa 2000 Frauen im Leistungsbezug, die Betreuungspflichten wahrnehmen müssen und daher nur eingeschränkt arbeiten können. Für uns war das eine Win-win-Situation.
Busfahrer ist bisher ein klassischer Männerberuf. Spielt das bei der Ausbildung der Frauen eine Rolle?
Eine unserer Teilnehmerinnen wäre nie auf die Idee gekommen, Busfahrerin zu werden. In der Ausbildung hat sie jedoch festgestellt, dass ihr dieser Beruf sehr viel Spaß macht. Vielen Teilnehmerinnen geht es wohl wie ihr. Die Frauen sind sehr engagiert und begeistert bei der Sache.
Was erwartet die Frauen während ihrer Ausbildung?
Die Ausbildung dauert insgesamt achteinhalb Monate. Zuerst müssen grundsätzliche Fragen geklärt werden: Wie ist die körperliche und mentale Verfassung der Teilnehmerinnen? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Wer betreut ihre Kinder während der Arbeitszeit? In einem nächsten Schritt machen die Frauen ihren Bus-Führerschein, also die Fahrerlaubnis Klasse D. Die Teilnehmerinnen belegen zudem Kurse in umweltschonendem Fahren, zum Einsatz im Schüler- und Reiseverkehr sowie zu Kundenkommunikation und Konfliktmanagement. Eine dreimonatige Arbeitserprobung bereitet die Frauen schließlich auf den Arbeitsalltag vor.
Die Organisation der Kinderbetreuung stellt viele Frauen bei der Ausübung eines Jobs vor große Probleme. Wie unterstützen Sie die Teilnehmerinnen?
Die Teilnehmerinnen haben jeweils ein bis zwei Kinder. Eine ist sogar Mutter von vier Kindern – das ist schon eine besondere Herausforderung. Viele Kinder besuchen zwar einen Kindergarten oder eine Schule, in den Ferien muss allerdings eine Alternative gefunden werden. Können z. B. auch Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn die Betreuung der Kinder übernehmen? Die Organisation der Kinderbetreuung ist für die Frauen jeden Tag eine neue Herausforderung, die wir gemeinsam mit ihnen bewältigen. Keine von ihnen hat bisher bei einer Ausbildungsmaßnahme gefehlt.
